Geschichte
Fällt Ihnen an den Griffen des Salatseihers etwas auf? Auf der einen Seite gibt es eine kleine Erhebung, auf der anderen Seite ist ein längliches Loch im Griff. Auf diese Weise können zwei übereinander geklappte Seiher einrasten, so dass sie als Salatschleuder genutzt werden können. Manchmal ist es eine kleine Erfindung, die eine große Auswirkung auf die Nutzbarkeit von Alltagsobjekten hat.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gilt Kunststoff oft als billiges Material, das „echte“ Stoffe nachahmt. In den 1950er/60er Jahren entdecken Designer*innen das gestalterische Potential des Kunststoffs – es ist leicht, gut formbar und kann in hohen Auflagen produziert werden. Wilhelm Wagenfeld interessierte sich sehr für neue Werkstoffe und dachte sogar daran, Leuchten aus Kunststoff herzustellen. Heute suchen viele Gestalter*innen nach nachhaltigeren Materialien für Alltagsprodukte.
Der Salatseiher war sehr erfolgreich und wurde über Jahrzehnte produziert. Heinz Pfänder, der in den 1950er Jahren in der Werkstatt Wagenfeld gearbeitet hatte, schreibt 1998: "Unlängst habe ich in einem Supermarkt 'unser' Salatsieb wieder nach dreißig (!) Jahren entdeckt. Meine Freude darüber war so groß, daß ich auf der Stelle ein halbes Dutzend davon kaufte" (Heinz G. Pfaender: Meine Zeit in der Werkstatt Wagenfeld, Hamburg 1998, S. 148). Die orangene Farbe des Seihers, den wir für den Werküberblick ausgewählt haben, hat Wagenfeld wohl nicht mehr autorisiert. In den 1950er Jahren gab es den Seiher vor allem in weiß, beige und braun.