1900 - 1930
15.4.1900
Wilhelm Wagenfeld wird am 15.4.1900 als Sohn von Heinrich Wilhelm und Elisabeth Wagenfeld, geb. Wichmann, in Bremen-Walle geboren. Sein Vater arbeitet als Transportarbeiter in den stadtbremischen Häfen und ist engagierter Sozialdemokrat. 1902 und 1904 werden seine Schwestern Anna und Auguste geboren.
1914 - 1918
Wagenfeld absolviert eine Ausbildung zum Industriezeichner im Zeichenbüro der Bremer Silberwarenfabrik Koch & Bergfeld. Es entstehen erste grafische Arbeiten.
1919-1922
Durch Vermittlung seiner Lehrherren, u.a. durch den Bildhauer Hugo Leven, erhält Wagenfeld ein Stipendium an der Zeichenakademie Hanau. Beginn der Ausbildung zum Silberschmied. Wagenfeld nimmt erfolgreich an Wettbewerben für Kirchengeräte und Schmuck teil.
1922-1923
Wagenfeld richtet sich in Worpswede im "Haus im Schluh" bei Martha Vogeler ein Atelier ein. Er widmet sich intensiv seinen grafischen Arbeiten wie Holzschnitten und Radierungen. Freundschaft mit Heinrich Vogeler und Bernhard Hoetger.
1923 - 1925
Oktober 2023: Wilhelm Wagenfeld wird in die Metallwerkstatt des Staatlichen Bauhauses in Weimar aufgenommen. Seine Meister sind Christian Dell (Lehrmeister) und László Moholy-Nagy (Formmeister).
April 1924: er legt er die Gesellenprüfung als Silberschmied und Ziseleur ab. Er entwirft Metallgeräte und die als "Bauhaus-Leuchte" bekannt gewordene Tischleuchte.
1925
Wilhelm und Else Wagenfeld, geb. Heinrich, heiraten 1925. Wagenfeld adoptiert Elses Sohn Michael. 1926 wird Johann, 1928 Heinrich geboren.
1926 - 1930
1925: In der Metallwerkstatt der Staatlichen Bauhochschule Weimar (der Nachfolgeinstitution des Staatlichen Bauhauses) wird Wagenfeld zunächst Assistent, ab 1928 Leiter der Werkstatt. Es entstehen u.a. Metallgeräte, wie Leuchten, Schalen, oder Tür- und Möbelbeschläge. Die Vertriebsorganisation der Bauhochschule, die "Weimar- Bau und Wohnungskunst", organisiert die Vermittlung der in der Schule entstanden Modelle an die Industrie.
1926: Wagenfeld wird Mitglied des Deutschen Werkbunds. Beginn seiner publizistischen Tätigkeit. Ausstellung der Arbeiten der Metallwerkstatt in Schwäbisch Gmünd (Museum im Prediger).
1930: Die Staatliche Bauhochschule Weimar wird auf Betreiben der Nationalsozialisten aufgelöst.
1930 - 1945
1930
Beginn der freiberuflichen Tätigkeit: Förderung des Heimarbeit-Glasbläsergewerbes im Thüringer Wald im Auftrag des Wirtschaftsministeriums. Schmuckentwürfe für Ottmar Zieher in Schwäbisch Gmünd (bis 1933).
1931 bis 1935
1931: Lehrauftrag an der Staatlichen Kunsthochschule Grunewaldstraße in Berlin, ab 1935 Professur.
ab 1931: Wagenfeld entwirft für das Jenaer Glaswerk Schott & Gen. einen Großteil des Haushaltsglases, u.a. das gläserne Teeservice, Backschalen, Küchenutensilien und Leuchten (bis 1935, danach noch Einzelaufträge).
10. Juni 1933: Wagenfeld stimmt gemeinsam mit Walter Gropius und Martin Wagner gegen die Gleichschaltung des Deutschen Werkbundes.
1934: Entwurf des Service "639" für die Porzellanmanufaktur Fürstenberg.
1935 - 1938
1935: Wilhelm Wagenfeld übernimmt die künstlerische Leitung der Vereinigten Lausitzer Glaswerke (VLG) in Weißwasser/Oberlausitz. Wagenfeld gründet dort ein künstlerisches Labor und vergibt Aufträge an externe Künstler wie z.B. Walter Dexel, Ludwig Gies, Hermann Gretsch, Josef Hoffmann oder Alexander Kanoldt.
1936: Ausstellungsstand auf der Grassimesse in Leipzig, gestaltet von Lilly Reich. Das von ihm verantwortete Segment des "Rautenglases" erhält zahlreiche Auszeichnungen, u.a. auf der Pariser Weltausstellung 1936 oder der Mailänder Triennale 1940.
1938: Entwurf des Services "Daphne" für Rosenthal-Porzellan. Sonderauftrag von Günther Wagner/Hannover zur Neugestaltung der Pelikan-Tintenflaschen.
1939-1943
1939: Ausstellungserie "Wilhelm Wagenfeld. Künstler in der Industrie. Vorbildliche Gestaltung industrieller Erzeugnisse" des Kunstdienst Berlin u.a. in der Neuen Sammlung München, der Kunsthalle Mannheim, dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.
1941: Scheidung von Else Wagenfeld. Vertrag mit der der Porzellanmanufaktur Bohemia/Neurohlau über ein Diplomatengeschirr. Die Manufaktur gehört zur SS-eigenen Porzellanmanufaktur Allach, für die Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau arbeiten. Wagenfeld kündigt den Vertrag 1943, ohne dass ein Geschirr entstanden ist.
1942: Heirat mit Erika Paulus. Einberufung zum Kriegsdienst.
1943: Geburt der Tochter Meike. Nach Reklamation der Glasindustrie aus der Wehrmacht entlassen, Wiederaufnahme der Tätigkeit in den VLG.
1944 - 1945
1944: Vertrag mit der Porzellanfabrik Hutschenreuther für feuerfestes Porzellan. Erneute Einberufung zum Kriegsdienst.
1945: Zunächst amerikanische, dann russische Kriegsgefangenschaft. Im September 1945 kehrt er nach Weißwasser zurück.
1946 - 1960
1946 -1947
Beteiligung am Wiederaufbau der Lausitzer Glaswerke (jetzt Oberlausitzer Glaswerke/OLG) in Weißwasser (bis 1949). Übersiedlung nach Berlin. Pläne für ein "Industrie-Institut" als Bindeglied zwischen Lehr- und Produktionsstätten.
1947: Berufung an die Deutsche Akademie der Wissenschaften/Institut für Bauwesen durch Hans Scharoun. Leitung der Abteilung Typisierung und Normung. Professur für industrielle Formgebung an der Hochschule für Bildende Künste/Berlin. Ausarbeitung des Plans für ein an die Hochschule angegliederte Industrie-Institut (bis 1949).
1948 - 1952
1948: Die Aufsatzsammlung "Wesen und Gestalt der Dinge um uns" erscheint im Verlag Eduard Stichnote in Potsdam.
1949: kurzfristige Zusammenarbeit mit den Sendlinger Optischen Glaswerken, Berlin. Umzug nach Stuttgart. Vertrag mit der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) in Geislingen (bis 1977).
Ab 1952: Beratervertrag mit Rosenthal-Porzellan für Porzellan und Glas (bis 1955) und Beginn der intensiven Zusammenarbeit mit Peill & Putzler Glashütten in Düren (bis 1958). Berufung in den Rat für Formgebung.
1954 - 1956
1954: Gründung der "Werkstatt Wagenfeld, Versuchs- und Entwicklungswerkstatt für Industriemodelle" in Stuttgart. Beginn der Zusammenarbeit mit der Max Braun AG, Frankfurt (bis 1956).
1955: Beratervertrag mit Lindner/Bamberg, Entwicklung eines umfangreichen Programms für Decken-, Spiegel-, und Wand- und Außenleuchten (bis 1970). Entwurf des ersten Bordgeschirrs aus Kunststoff für die Deutsche Lufthansa; weitere Haushaltsgegenstände aus Kunststoff (z.B. Salatseiher, Salatbesteck, Bowlenlöffel) für das Johannes Buchsteiner Plasticwerk in Gingen/Fils (bis 1958).
ab 1955: Beschlägeprogramm für Otto Großsteinbeck in Velbert (OGRO), bis 1966. Zahlreiche Einzelaufträge u.a. für Koch's Adler, Bielefeld, oder Hengstenberg, Esslingen.
1957-1960
Ab 1957: Mitherausgeber der Zeitschrift "form. Internationale Revue".
1958: Wagenfeld-Entwürfe werden im Deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Brüssel gezeigt.
1960: Ausstellung im Kunstgewerbemuseum Zürich, weitere Stationen: Stedelijk Museum Amsterdam (1961), Neue Sammlung München (1961) und Akademie der Künste, Berlin (1962).
1961 - 1990
1961 - 1970
1961: Mitglied des Berater-Komitees für den Kaufmann International Design Award, New York
1962: Ehrenmitglied der Staatlichen Akademie der Künste, Stuttgart.
1964: Ehrensenator der TU Stuttgart; Beteiligung an der documenta III in Kassel.
1965: Mitglied der Akademie der Künste, Berlin
1968: Ehrenmitglied des Deutschen Werkbunds Berlin.
1972 - 1978
1972: Erneute Zusammenarbeit mit der Porzellanmanufaktur Fürstenberg (u.a. Schalen, Vasen)
1973: Retrospektive im Kunstgewerbemuseum Köln "wilhelm wagenfeld: 50 Jahre mitarbeit in fabriken", weitere Stationen: Hessisches Landesmuseum Darmstadt (19749, Kestner-Museum, Hannover (1974). Neue Sammlung München (1974), Centre de création industrielle im musée des arts décoratifs, Paris (1975). Ausstellung im Israel-Museum, Jerusalem (1973)
1978: Schließung der Werkstatt Wagenfeld
1979-1987
1980: Vertragsabschluss mit Tecnolumen, Bremen über die Neuauflage der von Wagenfeld überarbeiteten Bauhaus-Leuchte von 1924 und weiterer Entwürfe aus den 1920er-Jahren.
1987: Umfassende Retrospektive "Täglich in der Hand" im Focke-Museum, Bremer Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte, weitere Stationen: Zentralstelle des Deutschen Werkbundes, Frankfurt a. M., Bauhaus-Archiv - Berlin (1988), Design Zentrum Stuttgart (1988)
1990 - 1998
1990: Ausstellung Palazzo Serra Gerace, Genua (in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut)
28. Mai 1990: Wilhelm Wagenfeld stirbt in Stuttgart und wird in Collex-Bossy bei Genf beerdigt.
1993: Gründung der Wilhelm Wagenfeld Stiftung in Bremen.
1998: Die Wilhelm Wagenfeld Stiftung zieht in die zum Wilhelm Wagenfeld Haus umgewidmete nördliche Ostertorwache im Ensemble der Bremer Kulturmeile.