Besteck "Form" 3600

WMF
Entwurfsjahr: 1949-1952
Löffel verschiedener Größe liegen dynamisch diagonal verteilt auf einer Fläche

Geschichte

1953 schickt Wilhelm Wagenfeld einen Text-Entwurf für sein neues Besteck an WMF. Oft wurden Wagenfelds Texte für Pressemitteilungen oder Werbeprospekte genutzt - ob das auch für diesen Text gilt, wissen wir leider nicht. Der Entwurf ist trotzdem spannend. Er zeigt, dass die Leser:innen in den 1950er Jahren offensichtlich bereit waren, langen Argumenten zu folgen und keine Aufzählung von 5 eingängigen Vorteilen des neuen Produkts erwarteten. Zugleich können wir herauslesen, wie wichtig Wagenfeld das Thema Ergonomie war:

  "Um Handlichkeit und Schönheit desselben bis in letzte Feinheiten herauszufinden, arbeitete er die ersten Modelle aus dem Metall heraus. Nur so konnte er jedesmal recht den Mannigfaltigkeiten des Gebrauchs folgen und daraus dann die endgültige Form erfühlen. Hierfür bewährte es sich, daß Professor Wagenfeld zu seiner künstlerischen Ausbildung auch das Silberschmiedehandwerk erlernt hatte. 3600 ist das Besteck unserer Zeit. Es wuchs aus unseren Ansprüchen, die in jeder Hinsicht das Praktische wollen, und doch gerade darin das Schöne, das Erfreuliche. Deshalb wählte der Künstler für Löffel, Gabel und Messer eine Größe zwischen dessert- und Tafelbesteck. Das Messer bekam eine Klinge, die nicht länger ist, als wir sie wirklich brauchen. Der Übergang zwischen Heft und Klinge ist weicher, wie ineinander verwachsen. Der Schwerpunkt de Messers liegt in der Mitte. dadurch liegt es uns besser in der Hand und fällt es nicht vom Teller beim Hinaustragen gebrauchter Geschirre. Ähnliche Vorzüge haben die Gabeln. Sie sind leicht vertieft, und auch zum Schneiden weicher Speisen verwendbar und ihre Zinken nicht unnötig lang. Die Löffel wurden so variabel geformt, wie ihre Verwendung es fordert. Weder zu flach noch zu tief fügen sie sich jedesmal gut der Lippe ein. Der Soßenlöffel tropft nicht beim Ausgießen und mag besonders auffallen durch die eigentümlich praktische Laffenform. Dazu ist jeder Griff der einzelnen Teile des Bestecks zum Greifen handlich durchgefeilt. Aber diese praktischen Vorzüge waren für Professor Wagenfeld nur Voraussetzung und Anlaß, das Besteck immer reizvoller und einschmiegender zu gestalten. Es sollte schön sein bis in letzte Einzelheiten und so zu unserer Lebenskultur ein wertvoller Beitrag."